Eine neue Studie liefert ein Argument, das die Debatte um den Netzanschluss von Photovoltaikanlagen verändern könnte: Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (Fraunhofer IEE) hat im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) berechnet, dass intelligente Großbatteriespeicher an ländlichen Umspannwerken deutlich mehr Solarstrom ins Netz bringen könnten, als die vorhandene Transformatorleistung auf den ersten Blick zulässt (n-tv). Die Studie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Bundestag die EEG-Novelle und das begleitende Netzanschlusspaket bereits in erster Lesung berät EEG-Novelle und das begleitende Netzanschlusspaket bereits in erster Lesung berät – der BSW fordert, die Ergebnisse in die anstehende Novelle der Netzanschlussregeln einfließen zu lassen.
Die Studie im Überblick
Für die Berechnung „Mehr PV durch intelligente Batteriespeicher an Umspannwerken“ haben die Fraunhofer-IEE-Forscher David Geiger, Maximilian Pfennig und Jan Dobschinski bundesweit 3.621 Umspannwerke über OpenStreetMap-Daten identifiziert und deren Auslastung mit Lastgängen aus dem Jahr 2025 in stündlicher Auflösung simuliert – insgesamt 3.040 Jahressimulationen (cleanthinking.de). Im Ergebnis weisen 1.313 dieser Umspannwerke – überwiegend in ländlichen, von erneuerbarer Erzeugung geprägten Regionen – ungenutzte Netzkapazität auf.
- 1.313 Umspannwerke: ländliche Standorte mit ungenutzter Kapazität für zusätzliche Solareinspeisung.
- 150 Gigawatt Potenzial: zusätzliche PV-Leistung, die sich an diesen Umspannwerken mit intelligenten Batteriespeichern anschließen ließe.
- Rund 130 Gigawatt Bestand: so beziffert die Studie den aktuellen deutschen Solaranlagenbestand – das Zusatzpotenzial läge damit in ähnlicher Größenordnung wie der bisherige Gesamtausbau.
- Doppelte Anschlussleistung: an den betroffenen Umspannwerken könnte im Schnitt doppelt so viel erneuerbare Leistung angeschlossen werden, wie der Transformator gleichzeitig übertragen kann.
- Nur rund 1 Prozent Abregelung: so gering wäre im Mittel der Anteil des zusätzlich erzeugten Solarstroms, der wegen begrenzter Transformatorleistung ungenutzt bliebe.
Warum das politisch gerade jetzt relevant ist
Die Bundesregierung hatte die EEG-Novelle und das Netzanschlusspaket bereits am 29. Juli 2026 im Kabinett beschlossen (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie); der Bundestag hat die Vorlage inzwischen in erster Lesung beraten. Ein Kernpunkt des Entwurfs zur Änderung des Energiewirtschaftsrechts: Verteilnetzbetreiber sollen Netzabschnitte künftig für bis zu sechs Jahre als Engpassgebiet ausweisen können, wenn dort mindestens 5 Prozent der Jahreserzeugung nicht abtransportiert werden konnten. In solchen Gebieten würde ein Teil der abgeregelten Strommengen künftig nicht mehr entschädigt – 18 Prozent in Windvorranggebieten, 20 Prozent andernorts (cleanthinking.de). Genau hier setzt die BSW-Forderung an: Wer mit Batteriespeichern vorhandene Netzreserven besser nutzt, braucht seltener eine Abregelung – und wäre von den neuen Engpassregeln seltener betroffen.
BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig bringt das Argument auf den Punkt: In den bestehenden Netzen steckten erhebliche Reserven, wenn Speicher intelligent eingesetzt würden. Beschlossen ist mit der ersten Lesung noch nichts – ob und in welcher Form die Studienergebnisse tatsächlich in die Netzanschlussregeln einfließen, entscheidet sich erst im weiteren Gesetzgebungsverfahren.
Was das für Nordrhein-Westfalen bedeutet
Die Studie ist bundesweit angelegt und nennt keine Zahlen speziell für Nordrhein-Westfalen. Die Grundlogik lässt sich aber auf viele ländlich geprägte Netzgebiete des Landes übertragen, in denen PV-Zubau und verfügbare Netzkapazität schon heute nicht immer zusammenpassen. Relevant wird das vor allem vor dem Hintergrund des ohnehin wachsenden Bestands: NRW hat im ersten Halbjahr 2026 erstmals die Marke von 15.000 Megawatt installierter Solarleistung überschritten – rund 15.151 MW, verteilt auf einen weiter wachsenden Anlagenpark, auch wenn der Zubau selbst zuletzt leicht zurückging. Mehr nutzbare Netzkapazität an ländlichen Umspannwerken würde also nicht nur neuen Anlagen helfen, sondern auch die Perspektive für einen ohnehin schon großen und weiter alternden Bestand verbessern.
Was ein wachsender Anlagenbestand für die Instandhaltung bedeutet
Batteriespeicher und Netzanschlussregeln entscheiden darüber, wie viel Solarstrom künftig überhaupt eingespeist werden kann – sie sagen nichts darüber aus, in welchem Zustand die einzelne Anlage ist. Je mehr PV-Leistung ans Netz geht und je länger bestehende Anlagen in Betrieb bleiben, desto wichtiger wird eine regelmäßige Kontrolle: Zellbrüche, Hotspots oder fehlerhafte Anschlüsse mindern den Ertrag unabhängig davon, ob am Umspannwerk noch Kapazität frei ist oder nicht. Für Betreiber heißt das: Wachsende Einspeisemöglichkeiten sind eine gute Nachricht für den Ausbau – sie ersetzen aber nicht die eigene Sorgfaltspflicht gegenüber der bestehenden Anlage.
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Wie SKYLENZ Anlagenbetreiber unterstützt
SKYLENZ prüft PV-Anlagen beispielsweise mit der DJI Matrice 4T. Die Vorgehensweise orientiert sich an der IEC TS 62446-3, der technischen Spezifikation für die Infrarot-Thermografie an Photovoltaikanlagen im Außenbereich. Der dokumentierte Befundbericht zeigt den tatsächlichen Zustand der Anlage – unabhängig davon, wie sich Netzanschlussregeln, Speicherausbau oder Förderlandschaft im weiteren Gesetzgebungsverfahren entwickeln.
Häufig gestellte Fragen
Was genau hat die Fraunhofer-IEE-Studie untersucht?
Die Forscher haben bundesweit 3.621 Umspannwerke identifiziert und mit Lastgängen aus dem Jahr 2025 simuliert, wie viel zusätzliche Solarleistung sich dort mit intelligenten Batteriespeichern anschließen ließe, ohne die Transformatoren zu überlasten.
Wie viel zusätzliche PV-Leistung wäre theoretisch möglich?
An den 1.313 identifizierten Umspannwerken mit ungenutzter Kapazität ließen sich der Studie zufolge rund 150 Gigawatt zusätzliche Photovoltaikleistung anschließen – bei durchschnittlich nur rund 1 Prozent Abregelungsverlust.
Warum braucht es dafür Batteriespeicher und nicht einfach mehr Netzausbau?
Batteriespeicher nehmen Solarstromspitzen auf und geben sie zeitversetzt an den Transformator ab. Das nutzt vorhandene Netzkapazität effizienter aus, statt sie für seltene Erzeugungsspitzen dimensionieren zu müssen – nach Einschätzung des BSW ließe sich dadurch der Bedarf an klassischem Netzausbau um Milliardenbeträge senken.
Ist die Studie schon Teil der Netzanschlussregeln?
Nein. Der BSW fordert lediglich, die Ergebnisse bei der anstehenden Novelle der Netzanschlussregeln zu berücksichtigen. Eine verbindliche Umsetzung oder ein konkreter Zeitplan dafür liegt bislang nicht vor.
Was bedeutet das für bestehende PV-Anlagen in NRW?
Mehr nutzbare Netzkapazität würde vor allem neuen Anlagen und dem weiteren Ausbau helfen. Für den bereits vorhandenen, wachsenden Anlagenbestand in NRW – aktuell über 15.000 Megawatt – bleibt unabhängig davon die regelmäßige technische Kontrolle entscheidend für Ertrag und Sicherheit.
Fazit
Die Fraunhofer-IEE-Studie liefert ein starkes Argument dafür, vorhandene Netzkapazität mit Batteriespeichern intelligenter zu nutzen, statt vor allem auf teuren Netzausbau zu setzen. Ob und wie schnell das in verbindliche Netzanschlussregeln übersetzt wird, bleibt offen. Unabhängig vom Ausgang gilt: Ein wachsender Solaranlagenbestand – ob durch neue Anschlüsse oder längere Laufzeiten bestehender Anlagen – braucht eine ebenso wachsende Aufmerksamkeit für den technischen Zustand der einzelnen Anlage.
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Quellen
n-tv, Studie: Batteriespeicher könnten den Solarausbau massiv vorantreiben — https://www.n-tv.de/wissen/Batteriespeicher-koennten-Solarausbau-massiv-voranbringen-id31323857.html
cleanthinking.de, Batteriespeicher an Umspannwerken: Platz für 150 GW — https://www.cleanthinking.de/batteriespeicher-umspannwerke-150-gigawatt/
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, EEG-Novelle und Netzanschlusspaket im Bundeskabinett — https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2026/07/20260729-eeg-novelle-und-netzanschlusspaket.html
REDAKTION
Björn Alexander
Redaktion & Gründer SKYLENZ
Meteorologe, Fachjournalist und Drohnenpilot mit STS-Lizenz. Recherchiert, verfasst und redigiert Beiträge auf skylenz.de.

