Wie berichtet, zeigen breit angelegte Studien zu Infrarot-Inspektionen von Photovoltaikanlagen, dass thermische Auffälligkeiten häufig sind – im Mittel rund 8 Prozent der Module, im Median 3,6 Prozent. Doch was bedeutet das in Euro? Die Antwort hängt entscheidend davon ab, ob der verlorene Strom sonst eingespeist oder selbst verbraucht worden wäre – und genau hier liegt ein verbreiteter Denkfehler.
Eigenverbrauch schlägt Einspeisevergütung – der Rechenfehler, den viele machen
Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis in Deutschland lag 2026 bei rund 37,0 ct/kWh (BDEW-Strompreisanalyse). Die gesetzliche Einspeisevergütung für neue Dachanlagen bis 10 kWp liegt dagegen aktuell nur bei 7,70 ct/kWh für die Teileinspeisung – für den Anlagenteil zwischen 10 und 40 kWp bei 6,66 ct/kWh (Bundesnetzagentur, gültig für Inbetriebnahmen 1. August 2026 bis 31. Januar 2027). Wer einen Ertragsverlust nur gegen die Einspeisevergütung rechnet, unterschätzt die tatsächlichen Kosten damit erheblich: Bei den meisten modernen PV-Anlagen wird ein großer Teil des Stroms selbst verbraucht. Fehlt dieser Strom durch einen Defekt, muss die Differenz teuer aus dem Netz zugekauft werden – zum Haushaltsstrompreis, nicht zur Einspeisevergütung. Der wirtschaftliche Maßstab für Eigenverbrauchsstrom ist also der Strompreis, nicht die staatliche Förderung.
- Eigenverbrauchte kWh: Bewertungsmaßstab ist der Strompreis (2026 im Schnitt 37,0 ct/kWh) – jede fehlende kWh muss zu diesem Preis zugekauft werden.
- Eingespeiste kWh: Bewertungsmaßstab ist die Einspeisevergütung (aktuell 7,70 ct/kWh bis 10 kWp bzw. 6,66 ct/kWh für den Anteil 10–40 kWp).
- Differenz: Rund 29 bis 30 Cent pro Kilowattstunde – ein Ertragsverlust bei Eigenverbrauch kostet damit knapp fünfmal so viel wie derselbe Verlust bei reiner Einspeisung.
Zwei Rechenbeispiele: Was ein Prozentpunkt Ertragsverlust wirklich kostet
Als Grundlage dient der spezifische Jahresertrag, den das Fraunhofer ISE für gut ausgerichtete Anlagen in Deutschland mit rund 1.000 kWh je installiertem Kilowatt Peak angibt (Fraunhofer ISE, Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland). Eine 10-kWp-Anlage erzeugt damit im Schnitt rund 10.000 kWh Strom im Jahr.
Beispiel 1: Private 10-kWp-Anlage
- Median-Fehlerquote (3,6 Prozent): 360 kWh Verlust pro Jahr → rund 133 Euro bei Eigenverbrauch (37,0 ct/kWh), aber nur rund 28 Euro, wenn man fälschlich mit der Einspeisevergütung (7,70 ct/kWh) rechnet.
- Mittelwert-Fehlerquote (8 Prozent): 800 kWh Verlust pro Jahr → rund 296 Euro bei Eigenverbrauch, gegenüber nur rund 62 Euro bei Bewertung über die Einspeisevergütung.
Beispiel 2: Gewerbliche 30-kWp-Dachanlage
Bei 30 kWp und einem Jahresertrag von rund 30.000 kWh bedeutet dieselbe Mittelwert-Fehlerquote von 8 Prozent einen Verlust von 2.400 kWh pro Jahr. Wird dieser Strom überwiegend selbst verbraucht, entstehen – je nach betrieblichem Strompreis, der oft etwas unter dem Haushaltsdurchschnitt liegt, die Differenz zur Einspeisevergütung aber deutlich bleibt – Kosten von mehreren hundert Euro pro Jahr; zum Vergleich: bewertet allein über die für den Anlagenteil 10 bis 40 kWp geltende Einspeisevergütung von 6,66 ct/kWh wären es nur rund 160 Euro.
Über die zwanzigjährige Laufzeit der EEG-Förderung summiert sich ein unentdeckter, unveränderter Verlust in dieser Größenordnung schnell auf einen vierstelligen Betrag – ein starkes Argument dafür, Auffälligkeiten frühzeitig statt erst nach Jahren zu erkennen.
Warum Hotspots und Stringausfälle besonders teuer werden
Die Rechenbeispiele oben gehen von einer über die ganze Anlage verteilten, moderaten Fehlerquote aus. In der Praxis konzentrieren sich Verluste aber oft auf einzelne Stränge: Bei potenzialinduzierter Degradation (PID) waren in der zugrunde liegenden Studie in Einzelfällen 35 bis 45 Prozent der Module einer Anlage betroffen, bei Delamination bis zu 80 Prozent der Module eines Strangs. Ein einzelner Hotspot kann zudem laut IEA-Daten den Ertrag der betroffenen Zellen um bis zu 50 Prozent mindern (photovoltaik.info). Ist ein ganzer String von einem solchen Defekt betroffen, verschiebt sich die Rechnung entsprechend: Ein 3-kWp-String mit 30 Prozent Ertragseinbuße verursacht bei Eigenverbrauch schon für sich genommen einen jährlichen Verlust von rund 333 Euro – bei einer einzigen Anlage, die scheinbar unauffällig weiterläuft.
Wie SKYLENZ solche Verluste sichtbar macht
SKYLENZ setzt für die Thermografie-Inspektion die DJI Matrice 4T ein: 640 × 512 Pixel Thermalauflösung, im hochauflösenden Modus bis 1.280 × 1.024 Pixel, thermische Empfindlichkeit ≤ 50 mK NETD sowie eine 48-MP-RGB-Kamera zur eindeutigen Zuordnung jedes Befunds zum betroffenen Modul. Die Vorgehensweise orientiert sich an der IEC TS 62446-3, der technischen Spezifikation für die Infrarot-Thermografie an Photovoltaikanlagen im Außenbereich. Der dokumentierte Befundbericht ordnet jede Auffälligkeit fachlich ein – inklusive einer Einschätzung, welche Befunde wirtschaftlich relevant sind und welche nicht.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Ertragsverlust bei der PV-Anlage in Euro?
Bei einer privaten 10-kWp-Anlage mit einer durchschnittlichen Fehlerquote von 8 Prozent auf Modulebene entstehen bei einem Jahresertrag von rund 10.000 kWh etwa 800 kWh Verlust im Jahr – bei einem Haushaltsstrompreis von 37,0 ct/kWh entspricht das rund 296 Euro pro Jahr, sofern der Strom sonst selbst verbraucht worden wäre.
Zählt bei einem Ertragsverlust der Strompreis oder die Einspeisevergütung?
Für Strom, der ohnehin selbst verbraucht würde, ist der Haushaltsstrompreis (2026 im Schnitt 37,0 ct/kWh) die richtige Vergleichsgröße, nicht die deutlich niedrigere Einspeisevergütung von aktuell 7,70 ct/kWh (bis 10 kWp). Nur für Strom, der tatsächlich eingespeist worden wäre, ist die Einspeisevergütung der passende Maßstab.
Wie hoch ist die Einspeisevergütung für PV-Anlagen 2026?
Für Anlagen bis 10 kWp, die zwischen dem 1. August 2026 und dem 31. Januar 2027 in Betrieb gehen, beträgt die Einspeisevergütung 7,70 ct/kWh bei Teileinspeisung und 12,22 ct/kWh bei Volleinspeisung. Für den Anlagenteil zwischen 10 und 40 kWp gelten 6,66 ct/kWh beziehungsweise 10,24 ct/kWh.
Wie viel Strom liefert eine PV-Anlage pro Kilowatt Peak im Jahr?
Nach Angaben des Fraunhofer ISE liegt der spezifische Jahresertrag einer gut ausgerichteten Anlage in Deutschland bei rund 1.000 kWh je installiertem Kilowatt Peak. Eine 10-kWp-Anlage erzeugt damit im Schnitt rund 10.000 kWh Strom im Jahr.
Wie lässt sich ein schleichender Ertragsverlust frühzeitig erkennen?
Das normale Anlagenmonitoring erfasst meist nur Gesamtwerte, keine Einzelmodul- oder Einzelzellwerte – ein Defekt an einem einzelnen String fällt dort oft erst spät auf. Eine Drohnenthermografie macht Hotspots, Substringausfälle und andere thermische Auffälligkeiten sichtbar, bevor sie sich deutlich in den Jahreswerten niederschlagen.
Schlägt der Winter in der Bilanz nochmals stärker zu?
Ja. Wer im Sommer kaum Netzstrom braucht, kauft im Winter einen deutlich größeren Anteil zu – nicht nur wegen der schwächeren Einstrahlung, sondern auch, weil der Bedarf gegenläufig verläuft.
Fazit
Ein Prozentwert allein wirkt abstrakt – erst die Umrechnung in Euro zeigt, worum es wirklich geht. Weil die meisten modernen PV-Anlagen auf Eigenverbrauch ausgelegt sind, kostet ein unentdeckter Ertragsverlust in der Regel deutlich mehr, als ein Blick auf die Einspeisevergütung vermuten lässt. Wer diesen Unterschied kennt, bewertet einen thermografischen Befund automatisch realistischer.
Sie möchten wissen, was ein möglicher Ertragsverlust bei Ihrer Anlage konkret bedeutet? Kontaktieren Sie SKYLENZ für eine Thermografie-Inspektion mit dokumentiertem Befundbericht.
Quellen
BDEW, Strompreisanalyse — https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/bdew-strompreisanalyse/
Bundesnetzagentur, EEG-Förderung und -Fördersätze — https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/ErneuerbareEnergien/EEG_Foerderung/start.html
Fraunhofer ISE, Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland — https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/aktuelle-fakten-zur-photovoltaik-in-deutschland.pdf
photovoltaik.info, Thermografie für Photovoltaik: Mängel erkennen & Ertrag sichern — https://www.photovoltaik.info/thermografie-qualitaetskontrolle-solarmodule/
REDAKTION
Björn Alexander
Redaktion & Gründer SKYLENZ
Meteorologe, Fachjournalist und Drohnenpilot mit STS-Lizenz. Recherchiert, verfasst und redigiert Beiträge auf skylenz.de.

