Wer eine PV-Anlage betreibt, kennt das Dilemma: Die Module sitzen auf dem Dach oder auf einem weitläufigen Freifeld, und selbst kleine Defekte kosten schnell drei- bis vierstellige Beträge im Jahr – gemerkt wird es aber oft erst, wenn im Portal auffällt, dass der Ertrag nicht mehr stimmt. Der klassische Weg, das zu prüfen, hieß bislang: Leiter, Hubsteiger, im Extremfall Abschaltung der Anlage und Vor-Ort-Messung Modul für Modul. Das ist teuer, aufwendig und für den laufenden Betrieb nicht praktikabel.
Es gibt einen deutlich eleganteren Weg: die drohnengestützte Thermografie nach IEC TS 62446-3. Sie liefert einen Zustandsbericht Ihrer gesamten PV-Anlage in wenigen Stunden, ohne dass jemand auf das Dach oder unter die Freiflächenanlage steigen muss, und ohne dass die Anlage abgeschaltet werden muss. Was das genau bringt, was die Norm dahinter fordert und in welchen Fällen sich das lohnt – dazu in diesem Artikel.
Warum eine Sichtprüfung allein nicht reicht
Photovoltaikmodule sind über die Jahre erstaunlich robust – aber sie altern nicht gleichmäßig. Ein Modul kann von außen makellos wirken und trotzdem intern längst Leistung verlieren, ohne dass es Ihnen sofort auffällt. Die häufigsten Ursachen sind für das bloße Auge unsichtbar:
- Hotspots – überhitzte Einzelzellen, die entstehen, wenn Verschmutzung, Mikrorisse oder Fertigungsfehler den Stromfluss lokal stören. Zelltemperaturen von über 150 °C sind dokumentiert und im Extremfall der Ausgangspunkt für Modulbrände.
- Defekte Bypass-Dioden – die Schutzelektronik im Modul selbst. Fällt eine Bypass-Diode kurzgeschlossen aus, verliert das Modul dauerhaft rund 33 % seiner Leistung. Fallen alle drei Dioden aus, ist die Modulleistung komplett verloren.
- Substring- und Anschlussfehler – lose Kontakte, gealterte Steckverbinder, Bypass-Ausfälle. Sie fallen im Monitoring oft erst auf, wenn ein ganzer String betroffen ist.
- Wärmebrücken und PID-Muster – schleichende Zelldegradation, die den Ertrag über Jahre kontinuierlich absenkt.
Studien zeigen, dass durchschnittlich 5 bis 15 % der Module in nicht inspizierten Anlagen in Europa signifikante Defekte aufweisen. Bei einer 100-kWp-Anlage sind das bereits mehrere Tausend Euro Ertragsverlust pro Jahr – Geld, das Sie nicht sehen, aber verlieren.
Was Drohnen-Thermografie leistet – und warum die Norm der entscheidende Punkt ist
Wir arbeiten bei SKYLENZ mit der DJI Matrice 4T – einer Drohne mit RTK-GPS und einer Wärmebildkamera, die Temperaturen mit einer Auflösung von unter 0,1 K auflöst. Damit lässt sich jede Zelle einer Anlage aus der Luft thermisch vermessen. Der Clou: Diese Prüfung findet während des laufenden Betriebs statt – die Anlage muss lediglich mindestens 20 % ihrer Nennleistung erzeugen, was tagsüber im Regelfall gegeben ist.
Entscheidend ist dabei nicht die Drohne, sondern der Prüfrahmen: Wir arbeiten nach IEC TS 62446-3 (in Deutschland als DIN IEC/TS 62446-3 bzw. VDE V 0126-23-3 übernommen). Diese internationale Norm regelt, unter welchen Bedingungen Infrarot-Aufnahmen an PV-Anlagen überhaupt aussagekräftig sind:
- Sonneneinstrahlung: mindestens 600 W/m² auf Modulebene während der gesamten Befliegung
- schwache Windgeschwindigkeit, damit Konvektionseffekte die Messwerte nicht verfälschen
- Anlage im Betrieb, mindestens 20 % Nennleistung
- Kamera-Anforderungen: NETD ≤ 0,1 K, Auflösung mindestens 5×5 Pixel pro Zelle, Kalibrierung alle zwei Jahre nachweisbar
- Klassifizierung nach Temperaturdifferenz (ΔT): Unter 2 K = Rauschen, 2–10 K = Auffälligkeit zur Beobachtung, über 10 K = ernsthafter Defekt mit sofortigem Handlungsbedarf
Für Sie als Anlagenbetreiber heißt das: Nur ein Bericht, der diese Bedingungen einhält und dokumentiert, ist gegenüber Versicherung, Gutachtern und im Streitfall vor Gericht belastbar. Genau das ist der Unterschied zwischen einer schnellen „Wärmebild-Kontrolle“ und einer normkonformen Thermografie.
Hier kommt ein Vorteil ins Spiel, den wir gegenüber vielen Marktbegleitern haben: Als Wetterdienstleister können wir das Flugfenster für Ihre Anlage präzise planen. Strahlung, Windprognose, Bewölkung – das sind für uns keine Nebengrößen, sondern die Grundlage dafür, dass die Aufnahmen normkonform gelingen. Und wenn die Bedingungen kippen, sagen wir Termine kurzfristig ab – lieber ein Tag später als ein Bericht ohne Aussagekraft.
Was Sie konkret bekommen
Nach der Befliegung erhalten Sie einen strukturierten Prüfbericht – lesbar für Techniker, Versicherer und Betreiber gleichermaßen:
- Jede Auffälligkeit einzeln dokumentiert: RGB-Foto + IR-Foto, Modul-Koordinaten, gemessene Temperaturdifferenz und Klassifizierung
- Dokumentation aller Messbedingungen (Datum, Uhrzeit, Einstrahlung, Windgeschwindigkeit, Umgebungstemperatur)
- Handlungsempfehlungen, priorisiert nach Dringlichkeit.
Das Dokument taugt sowohl als technische Arbeitsgrundlage für Ihren Solarteur oder Ihre Wartungsfirma als auch als Nachweis für Versicherung und Garantieansprüche.
Der stille Nebeneffekt: Ihr Versicherungsschutz
Seit 1. Januar 2024 verlangen viele gewerbliche Feuer- und Elektronikversicherer über die VdS-Klausel SK 3602 einen dokumentierten Nachweis der regelmäßigen Prüfung nach DIN EN 62446-1. Fehlt dieser Nachweis, gilt das im Schadensfall als Mangel, der innerhalb von drei Monaten behoben werden muss. Unterbleibt das, droht eine Kürzung der Versicherungsleistung oder im Extremfall der vollständige Verlust des Versicherungsschutzes wegen Obliegenheitspflichtverletzung.
Für Sie als Betreiber heißt das ganz praktisch: Eine wiederkehrende Thermografie ist zwar kein gesetzliches Muss, aber sie ist der praktikabelste Baustein, um regelmäßig und ohne Anlagenabschaltung nachweisen zu können, dass die Anlage überwacht wird – und der einzige, der neben der Elektroprüfung auch thermische Auffälligkeiten dokumentiert, die eine reine Messung nicht immer zuverlässig aufzeigt.
Auch für Modul- und Wechselrichterhersteller ist das Thema relevant: Ein Hotspot, der sich per Thermografie dokumentieren lässt, ist ein belastbarer Garantiefall – ohne Nachweis wird die Reklamation schwierig.
Rechnet sich das? Ein Rechenbeispiel
Nehmen wir eine typische gewerbliche Aufdachanlage mit 100 kWp:
- Angenommen 8 % der Module (etwa 20 von 250) haben unentdeckte Defekte, die den Ertrag pro Modul um rund 20 % reduzieren.
- Bei einer Modulleistung von 400 Wp und 950 Volllaststunden pro Jahr entspricht das ca. 1.520 kWh Verlust pro Jahr.
- Bei einem Selbstverbrauchsanteil und Vergütung von zusammen 12 ct/kWh sind das rund 180 € pro Jahr an entgangenem Ertrag – dauerhaft, oft über mehrere Jahre unentdeckt.
Eine Thermografie-Inspektion nach IEC TS 62446-3 für eine Anlage dieser Größe rechnet sich schon dann, wenn nur ein einziger Defekt bei der Erstbefliegung gefunden und behoben wird – und in der Praxis findet unsere Kontrolle so gut wie immer mehr als einen.
Für wen sich die Kontrolle besonders lohnt
Prinzipiell profitiert jede Anlage von einer regelmäßigen Thermografie. Besonders relevant ist sie in diesen Fällen:
- Anlagen ab ca. 30 kWp – ab dieser Größe ist der wirtschaftliche Nutzen deutlich größer als die Kosten der Inspektion.
- Nach extremen Wetterereignissen – Hagel, Sturm oder ein besonders heißer Sommer wie 2026 können Mikrorisse und Hotspot-Vorstufen erzeugen, die im Modulbild noch nicht sichtbar sind.
- Vor Ablauf von Herstellergarantien – dokumentierte Auffälligkeiten sind die Grundlage für Garantieforderungen. Ohne Nachweis: schwierig.
- Bei Erneuerung oder Erweiterung des Versicherungsschutzes – zunehmend Voraussetzung im gewerblichen Bereich.
- Für Freiflächenanlagen und Solarparks – hier ist eine terrestrische Prüfung ohnehin nicht praktikabel; per Drohne schaffen wir 1 bis 5 MW Modulfläche pro Flugstunde.
Als Frequenz empfiehlt IEC TS 62446-3 einen vierjährigen Regelzyklus. In der Praxis raten wir bei gewerblichen Anlagen und Solarparks zu jährlichen oder mindestens zweijährlichen Kontrollen – gerade nach der auffällig heißen Saison 2026 mit ihren dokumentierten Hitzespitzen.
So läuft eine SKYLENZ-Thermografie ab
Damit Sie wissen, was auf Sie zukommt – der komplette Ablauf in fünf Schritten:
- Anfrage und Terminplanung: Sie schildern uns Anlagengröße, Standort und Anlass. Wir prüfen die Wetterprognose und schlagen ein Flugfenster vor – Terminbestätigung innerhalb von 24 Stunden.
- Vor-Ort-Prüfung der Bedingungen: Vor Ort messen wir Strahlung, checken Wind und Umgebungstemperatur. Passt es nicht, wird verschoben.
- Befliegung: Die eigentliche Aufnahme dauert je nach Anlagengröße 15 Minuten bis wenige Stunden. Die Anlage bleibt während der gesamten Zeit in Betrieb.
- Auswertung: Jede Auffälligkeit wird einzeln klassifiziert, geo-referenziert und mit RGB- und IR-Bild dokumentiert.
- Berichtübergabe: Innerhalb von 5 Werktagen erhalten Sie den strukturierten Prüfbericht – bereit für Techniker, Versicherer und Wartungsfirma.
Sprechen wir
Sie betreiben eine PV-Anlage und möchten wissen, was thermisch los ist – ohne Leiter, ohne Abschaltung, mit einem belastbaren Bericht in der Hand? Kontaktieren Sie uns über www.skylenz.de. Wir schauen uns Ihre Anlage an, prüfen das passende Flugfenster und erstellen Ihnen ein Angebot.
Häufige Fragen
Muss die PV-Anlage für die Thermografie abgeschaltet werden?
Nein. Die drohnengestützte Thermografie nach IEC TS 62446-3 findet während des laufenden Betriebs statt. Die Anlage muss lediglich mindestens 20 % ihrer Nennleistung erzeugen.
Wie oft sollte ich eine Thermografie durchführen lassen?
Die Norm empfiehlt einen vierjährigen Regelzyklus. Für gewerbliche Anlagen und Solarparks empfehlen wir jährliche bis zweijährliche Kontrollen – speziell nach besonders belastenden Sommern wie 2026.
Ist die Thermografie gesetzlich vorgeschrieben?
Die Thermografie selbst ist nicht Pflicht. Vorgeschrieben ist bei gewerblich betriebenen PV-Anlagen die wiederkehrende elektrotechnische Prüfung nach DIN EN 62446-1. Die Thermografie ergänzt diese Prüfung und ist zunehmend Voraussetzung für den Versicherungsschutz nach VdS-Klausel SK 3602.
Was unterscheidet eine normkonforme Thermografie von einem einfachen Wärmebild?
Ohne Einhaltung der IEC-Anforderungen (600 W/m² Einstrahlung, schwachem Wind, kalibrierte Kamera, dokumentierte Bedingungen) ist ein Wärmebild eine Momentaufnahme, aber kein belastbarer Prüfbericht. Nur ein normkonformer Bericht ist gegenüber Versicherern und im Streitfall vor Gericht verwendbar.
Ab welcher Anlagengröße lohnt sich die Thermografie?
Wirtschaftlich lohnend wird die Kontrolle ab etwa 30 kWp. Bei kleineren Anlagen bieten wir sie im Rahmen unserer SkyShare-Nachbarschaftsflüge an – mehrere benachbarte Dächer werden dann in einem gemeinsamen Flug abgedeckt, wodurch die Kosten pro Anlage deutlich sinken.
Wer ist Björn Alexander?
Björn Alexander ist der Gründer von SKYLENZ, Meteorologe und STS-zertifizierter Drohnenpilot. Die Kombination aus meteorologischem Fachwissen und drohnenbasierter Inspektion ist im Markt selten – und der Grund, warum bei uns Flugfenster präzise geplant werden. Zudem erhalten Sie bei uns meteorologische Gutachten, beispielsweise in Bezug auf Unwetterschäden.
Quellen:
IEC TS 62446-3:2017 – Photovoltaic (PV) systems: Outdoor infrared thermography (International Electrotechnical Commission)
DIN IEC/TS 62446-3 (VDE V 0126-23-3):2018-04 (VDE-Verlag – deutsche Übernahme der Norm)
Bypass-Dioden im Solarmodul – Funktion, Defekt, Kosten (EnergieFluss24, Juli 2026, mit Bezug auf Fraunhofer ISE)
PV-Thermografie mit Drohne – Studien zu Defektquoten (2ndCycle)
Photovoltaik: Wartung, Instandhaltung und VdS-Klausel SK 3602 (SKYLENZ)
Bypass-Dioden im Solarmodul: Schutz vor Leistungsverlust (Photovoltaik.info, Dez. 2025)
Solar drone thermal inspection – IEC TS 62446-3 severity bands (REIG Solar, Juli 2026)

