Erst kürzlich haben wir über die neue QBE-Studie berichtet, wonach DC-Steckverbindungen die häufigste Einzelursache für PV-Brände sind. Jetzt liefert ein aktueller Bericht von COMPUTER BILD den entscheidenden Zusatzpunkt dazu: Es geht nicht nur darum, dass Steckverbindungen generell altern oder korrodieren, sondern ganz konkret darum, dass viele Betreiber unwissentlich Stecker unterschiedlicher Hersteller kombinieren – ein Problem, vor dem die Deutsche Kommission Elektrotechnik (DKE) inzwischen ausdrücklich warnt.
MC4 ist ein Markenname, kein Standard für alle
MC4 bezeichnet ursprünglich eine Steckverbinder-Familie des Schweizer Herstellers Stäubli. Der Name hat sich im Markt so durchgesetzt, dass er heute umgangssprachlich für Solarstecker im Allgemeinen steht – ähnlich wie „Tempo“ für Papiertaschentücher. Genau das ist der Kern des Problems: Zahlreiche andere Hersteller bieten Stecker an, die als „MC4-kompatibel“ beworben werden, mechanisch ineinanderpassen und sich problemlos zusammenstecken lassen. Elektrisch bedeutet das aber nicht automatisch, dass die Kontaktflächen exakt aufeinander abgestimmt sind.
Warum mechanisch passend nicht elektrisch sicher heißt
Laut COMPUTER BILD kann ein Kontaktproblem entstehen, wenn eine Steckverbindung nicht richtig sitzt oder Stecker unterschiedlicher Hersteller kombiniert werden: Der elektrische Übergangswiderstand an der Kontaktstelle steigt an. Der Strom muss dann durch einen schlechteren Kontaktpunkt fließen, der sich dabei stark erhitzen kann. Im ungünstigsten Fall entsteht ein Lichtbogen – eine Entladung, die über einen kleinen Luftspalt zwischen den Kontakten „springt“ und die dabei entstehende Hitze auf umliegendes Material übertragen kann.
- Nicht vollständig eingerastete Stecker: schon eine unvollständig gesteckte Verbindung reduziert die Kontaktfläche und erhöht den Widerstand.
- Gemischte Fabrikate: Buchse und Stecker von unterschiedlichen Herstellern können zusammenpassen, ohne dass die Kontaktflächen exakt für dieselbe Klemmkraft ausgelegt sind.
- Alterung unter Belastung: ein zunächst unauffälliger Kontakt kann sich über Jahre durch Feuchtigkeit, Temperaturwechsel und mechanische Belastung weiter verschlechtern.
Die Warnung der DKE
Die Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE (DKE) rät ausdrücklich davon ab, Gleichstromstecker verschiedener Hersteller miteinander zu kombinieren. Ihre Empfehlung: Stecker und Buchse sollten als zusammengehöriges System vom selben Hersteller bezogen werden. Das ist eine für Betreiber leicht umsetzbare Regel – aber eine, die in der Praxis häufig unterläuft, etwa wenn bei einer Erweiterung, einer Reparatur oder dem nachträglichen Anschluss eines Speichers ein greifbarer Ersatzstecker verwendet wird, statt gezielt das passende Fabrikat zu bestellen.
Auch für Balkonkraftwerke relevant
Der COMPUTER BILD-Bericht ordnet das Thema ausdrücklich auch für Stecker-Solaranlagen ein: MC4-Verbinder kommen sowohl in großen Dachanlagen als auch in Balkonkraftwerken zum Einsatz, etwa zwischen Modul und Wechselrichter oder zwischen Modul und Speicher. Wichtig für die Einordnung: Die britischen Zahlen belegen kein eigenständig erhöhtes Brandrisiko speziell für Balkonkraftwerke – sie beziehen sich auf Photovoltaikanlagen insgesamt. Das Kompatibilitätsproblem an sich betrifft aber jede Anlage mit steckbaren DC-Verbindungen, unabhängig von der Anlagengröße.
Wie Thermografie diese Schwachstelle sichtbar macht
Ein erhöhter Übergangswiderstand lässt sich von außen nicht erkennen – der Stecker sitzt scheinbar fest, die Anlage liefert weiterhin Strom. Genau hier liegt der Wert einer thermografischen Untersuchung: Eine Kontaktstelle mit erhöhtem Widerstand erwärmt sich unter Last messbar stärker als benachbarte, unauffällige Verbindungen, und zwar unabhängig davon, ob die Ursache ein Herstellermix, eine unvollständige Steckung oder normale Alterung ist. Im Wärmebild erscheint das als klar abgegrenzter Hotspot an genau dieser Steckstelle – lange bevor daraus ein Lichtbogen entstehen kann.
- Herstellerunabhängige Prüfung: die Thermografie erkennt die thermische Auffälligkeit, unabhängig davon, welche Steckertypen verbaut sind.
- Frühzeitig statt reaktiv: ein dokumentierter Hotspot lässt sich gezielt beheben, bevor eine sichtbare Beschädigung oder ein Ausfall auftritt.
- Ergänzung zur Sichtprüfung: Verfärbungen, Schmorstellen oder beschädigte Leitungen sollten Betreiber ohnehin regelmäßig prüfen – die Thermografie deckt zusätzlich das ab, was mit bloßem Auge nicht erkennbar ist.
Wie eine solche Untersuchung im Detail abläuft, beschreiben wir in unserem Beitrag „PV-Brände steigen um 133 Prozent: Was die neue Studie über die Ursache verrät“.
Fazit: Auf das Kleingedruckte bei Steckern achten
„Kompatibel“ ist bei DC-Steckverbindern kein Sicherheitsversprechen, sondern lediglich eine Aussage darüber, dass zwei Teile mechanisch zusammenpassen. Wer auf Nummer sicher gehen will, bezieht Stecker und Buchse als System vom selben Hersteller, wie es die DKE empfiehlt, und lässt bestehende Verbindungen regelmäßig thermografisch prüfen – gerade weil sich ein erhöhter Übergangswiderstand von außen nicht erkennen lässt.
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Quellen:
133 Prozent mehr Solarbrände: So groß ist die Gefahr wirklich – COMPUTER BILD — https://www.computerbild.de/artikel/News-Energie-133-Prozent-mehr-Solarbraende-Diese-Schwachstelle-kennen-viele-nicht-dscv_he-41153885.html
SKYLENZ, PV-Brände steigen um 133 Prozent: Was die neue Studie über die Ursache verrät — https://skylenz.de/aktuelles/pv-braende-133-prozent-ursache/
SKYLENZ, Brennende PV-Anlage: Was wirklich passiert – und wie Thermografie das Risiko senkt — https://skylenz.de/aktuelles/brennende-pv-anlage-thermografie/
Hinweis zum Teaser-Bild: Steckverbinder · KI-generiertes Bild

