Zwei neu dokumentierte Bluetooth-Schwachstellen in DJI-Drohnen sorgen seit Ende August 2026 für Aufsehen – auch Golem.de berichtete über die mögliche Kaperung von Drohnen mitten im Flug. Betroffen sind laut den zuständigen Schwachstellendatenbanken 16 Modelle aus den Serien Mini, Air, Mavic, Neo, Flip und Avata (NVD). Für die meisten privaten und semi-professionellen Nutzer bedeutet das vor allem: Firmware aktualisieren. Für gewerbliche Betreiber, die mit Drohnen kritische Infrastruktur, Solaranlagen oder öffentliche Flächen überfliegen, wirft der Fall aber auch eine grundsätzlichere Frage auf – wie ernst nimmt die Branche IT-Sicherheit als Teil der Betriebssicherheit?
Zwei Schwachstellen, ein gemeinsamer Angriffspunkt: Bluetooth
Die gravierendere der beiden Lücken, CVE-2026-78306 (CVSS-Wert 8,5 von 10), betrifft eine unauthentifizierte Schnittstelle für das DUML-Protokoll, über das DJI-Drohnen intern gesteuert werden. Nur drei von vielen möglichen Befehlen prüfen laut Schwachstellenbeschreibung eine vertrauenswürdige Geräte-ID – alle anderen nicht. Ein Angreifer in Bluetooth-Reichweite kann ohne Kopplung, Zugangsdaten oder Interaktion des Piloten WLAN-Name und -Passwort der Drohne ändern, WLAN und Bluetooth deaktivieren oder neu starten, die Drohne zurücksetzen oder herunterfahren und Speicher sowie Protokolle löschen (SentinelOne). Überschreibt der Angreifer das WLAN-Passwort, kann er sich mit dem internen Netzwerk der Drohne verbinden und im ungünstigsten Fall auf die Flugsteuerung zugreifen oder eigene Befehle senden. Selbst ohne diesen letzten Schritt lässt sich die Verbindung zwischen Fernsteuerung und Drohne mitten im Flug unterbrechen – ein Denial-of-Service, der Steuerung, Video- und Telemetrieverbindung während des Flugs stören kann.
Die zweite Lücke, CVE-2026-77812, ergänzt das erste Problem: Beim Verbindungsaufbau übertragen DJI-Drohnen WLAN-Zugangsdaten – Passwort, Netzwerkname und Geräte-ID – unverschlüsselt per Bluetooth Low Energy. Ein Angreifer in der Nähe kann diese Daten passiv mitschneiden, ganz ohne selbst aktiv einzugreifen (SentinelOne). Beide Schwachstellen setzen voraus, dass sich der Angreifer in Bluetooth-Reichweite befindet – aus großer Distanz oder unbemerkt aus dem Nichts ist ein Angriff also nicht möglich.
Welche Modelle betroffen sind – und wo die Liste endet
Laut den offiziellen Einträgen in der US-amerikanischen NVD-Datenbank und dem europäischen Schwachstellenregister ENISA betrifft die Lücke DJI Neo, Neo 2, Flip, Air 3, Air 3S, Avata 2, Avata 360, Mavic 3, Mavic 3 Classic, Mavic 3 Pro, Mavic 4 Pro sowie Mini 2, Mini 3, Mini 3 Pro, Mini 4 Pro und Mini 5 Pro – jeweils bis zu bestimmten Firmware-Versionen (ENISA). DJI hat für jedes dieser Modelle bereits eine reparierte Firmware-Version bereitgestellt; der Status in den Schwachstellendatenbanken ist entsprechend als „gepatcht“ vermerkt.
Auffällig für SKYLENZ als gewerblichen Betreiber: Weder die Multispektral-Variante Mavic 3M noch die Enterprise-Serie Matrice 4 (darunter die eigene Matrice 4T) taucht in den bislang veröffentlichten Modelllisten auf. Das ist kein Beleg dafür, dass diese Modelle sicher sind – die Enterprise-Linie läuft über eigene Firmware-Kanäle und wurde bei Redaktionsschluss schlicht nicht in den öffentlichen Advisories genannt. Bis DJI hierzu eine explizite Aussage veröffentlicht, gilt für SKYLENZ die Vorsichtsregel: Firmware-Stand prüfen, statt sich auf eine Nichterwähnung zu verlassen.
Was ein Angriff im schlimmsten Fall bedeuten könnte – und was nicht
- Reichweite begrenzt: Ein Angriff setzt physische Nähe innerhalb der Bluetooth-Reichweite voraus – ferngesteuerte oder großflächige Angriffe sind nicht möglich.
- Kein bekannter Missbrauch: Beide Schwachstellen sind nicht in CISAs Katalog aktiv ausgenutzter Lücken (KEV) gelistet, und es liegen keine Berichte über einen realen Angriffsfall vor (Cybernews).
- Denial-of-Service ist das wahrscheinlichste Szenario: Eine gestörte Steuer- oder Videoverbindung während des Flugs ist praktisch leichter umzusetzen als eine vollständige Übernahme der Flugsteuerung, für die kein öffentlich dokumentierter Proof-of-Concept existiert.
- Der Fix ist einfach, aber verbindlich: Ein aktuelles Firmware-Update schließt beide Lücken vollständig – eine Konfigurationsänderung allein reicht laut den Herstellerangaben nicht aus.
Wie SKYLENZ mit solchen Meldungen im eigenen Betrieb umgeht
Für einen Dienstleister, der mit STS-lizenzierten Piloten regelmäßig über Solaranlagen, landwirtschaftliche Flächen oder auch im Auftrag von Kommunen und Netzbetreibern fliegt, ist eine Meldung wie diese kein Randthema, sondern Teil der Betriebssicherheit. Vor jedem Einsatz gehört die Firmware-Prüfung der eingesetzten Systeme ebenso zum Ablauf wie Wetter- und Flugraumcheck – Updates werden zeitnah nach Veröffentlichung eingespielt, nicht erst bei Gelegenheit. Zusätzlich bleibt die Kopplungsphase über Bluetooth oder WLAN auf kontrollierte, kurze Zeitfenster beschränkt, und Geräte werden während des Betriebs nicht unbeaufsichtigt mit aktivem Bluetooth in öffentlich zugänglichen Bereichen belassen. Das schließt ein theoretisches Restrisiko nicht vollständig aus – reduziert aber genau das Zeitfenster, das ein Angriff in Bluetooth-Reichweite bräuchte, auf ein Minimum.
Für Auftraggeber aus dem kommunalen und energiewirtschaftlichen Bereich, die Drohnenflüge über sensible Anlagen beauftragen, ist das ein legitimer Punkt für die Anbieterauswahl: Wer regelmäßig Firmware pflegt, Einsatzprotokolle führt und Geräteverwaltung nicht dem Zufall überlässt, bietet dort ein Stück mehr Sicherheit als ein Anbieter, der diese Fragen nicht beantworten kann.
Was Betreiber und Auftraggeber jetzt konkret prüfen können
- Firmware-Version kontrollieren: Über die DJI-Fly-App oder den DJI Assistant lässt sich der aktuelle Firmware-Stand jedes Geräts einsehen und mit der jeweils reparierten Version abgleichen.
- WLAN-Zugangsdaten nach dem Update erneuern: Da Zugangsdaten vor dem Patch potenziell unverschlüsselt übertragen wurden, empfiehlt sich ein Zurücksetzen der WLAN-Einstellungen nach dem Firmware-Update.
- Beim Dienstleister nachfragen: Wer eine Drohnenfirma für Inspektionsflüge beauftragt, darf nach der Update-Praxis und dem Umgang mit Sicherheitsmeldungen fragen – eine klare Antwort gehört zu einer seriösen Dienstleistung.
- Enterprise-Modelle im Blick behalten: Für Matrice- und andere Enterprise-Systeme lohnt sich ein Blick auf die DJI-Support-Seiten, da diese Modelle über eigene Firmware-Kanäle laufen und in aktuellen Advisories nicht separat aufgeführt sind.
Häufige Fragen zur DJI-Bluetooth-Lücke
Welche DJI-Drohnenmodelle sind konkret betroffen?
Nach aktuellem Stand der Schwachstellendatenbanken NVD und ENISA sind es DJI Neo, Neo 2, Flip, Air 3, Air 3S, Avata 2, Avata 360, Mavic 3, Mavic 3 Classic, Mavic 3 Pro, Mavic 4 Pro, Mini 2, Mini 3, Mini 3 Pro, Mini 4 Pro und Mini 5 Pro. Für alle genannten Modelle stehen reparierte Firmware-Versionen bereit.
Ist die Matrice-4-Serie oder die Mavic 3M betroffen?
Diese Modelle stehen bislang nicht auf den veröffentlichten Modelllisten der beiden CVEs. Das ist kein offizieller Ausschluss – DJI hat sich zu diesen Modellen bislang nicht gesondert geäußert. Betreiber dieser Systeme sollten den Firmware-Stand trotzdem regelmäßig prüfen.
Kann eine Drohne dadurch tatsächlich mitten im Flug übernommen werden?
Ein vollständiges Übernehmen der Flugsteuerung ist theoretisch beschrieben, aber bislang nicht durch einen öffentlichen Proof-of-Concept demonstriert worden. Deutlich wahrscheinlicher und leichter umsetzbar ist eine Störung der Steuer-, Video- oder Telemetrieverbindung.
Muss ich als Pilot sofort handeln?
Ein zeitnahes Firmware-Update auf die vom Hersteller freigegebene, reparierte Version schließt beide Schwachstellen. Es gibt keine bekannten Fälle aktiver Ausnutzung, dennoch ist ein Update ohne größeren Aufwand sinnvoll.
Reicht es, Bluetooth einfach zu deaktivieren?
Das reduziert das Zeitfenster für einen Angriff, ersetzt aber laut Herstellerangaben kein vollständiges Firmware-Update, da bestimmte Funktionen und Kopplungsvorgänge Bluetooth ohnehin kurzzeitig aktivieren.
Die Bilanz
Die DJI-Bluetooth-Lücke ist technisch real, aber ihr praktisches Risiko hängt stark vom Kontext ab: örtliche Nähe des Angreifers, fehlende Berichte über aktive Ausnutzung und ein bereits verfügbarer Fix relativieren die Dramatik der Schlagzeilen. Für professionelle Drohnendienstleister bleibt die eigentliche Lehre aber unabhängig vom Einzelfall bestehen – Firmware-Pflege ist kein Nebenaspekt des Betriebs, sondern Teil der Sorgfaltspflicht gegenüber Auftraggebern, die sensible Flächen überfliegen lassen.
Quellen:
Golem.de: „Per Bluetooth-Exploit lässt Angreifer DJI-Drohnen mitten im Flug kapern“ — https://www.golem.de/news/per-bluetooth-exploit-laesst-angreifer-dji-drohnen-mitten-im-flug-kapern-2609-213353.html
Cybernews: „DJI drone Bluetooth flaw could let hackers hijack aircraft“ — https://cybernews.com/security/severe-bluetooth-flaw-hackers-dji-drones-midair-takeover/
NVD: CVE-2026-78306 — https://nvd.nist.gov/vuln/detail/cve-2026-78306
NVD: CVE-2026-77812 — https://nvd.nist.gov/vuln/detail/cve-2026-77812
SentinelOne Vulnerability Database: CVE-2026-78306 — https://www.sentinelone.com/vulnerability-database/cve-2026-78306/
SentinelOne Vulnerability Database: CVE-2026-77812 — https://www.sentinelone.com/vulnerability-database/cve-2026-77812/
ENISA: EUVD-2026-64752 — https://euvd.enisa.europa.eu/enisa/EUVD-2026-64752
REDAKTION
Björn Alexander
Redaktion & Gründer SKYLENZ
Meteorologe, Fachjournalist und Drohnenpilot mit STS-Lizenz. Recherchiert, verfasst und redigiert Beiträge auf skylenz.de.

