Nordrhein-Westfalen zählt bei der digitalen Bestandserfassung zu den Vorreitern unter den Bundesländern: Seit dem 19. September 2024 ist mit dem Digitalen Zwilling NRW ein landesweites 3D-Modell frei zugänglich (Geodateninfrastruktur NRW). Trotzdem bleibt für viele Kommunen und Netzbetreiber eine Lücke zwischen dem, was die landesweite Befliegung liefert, und dem, was für den konkreten Verwaltungs- oder Netzalltag gebraucht wird. Genau dort setzt eine anlassbezogene Drohnenbefliegung an – als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zur amtlichen Vermessung.
Dass Drohnen für Kommunen längst mehr als ein Zukunftsthema sind, zeigt auch die Fachöffentlichkeit: Sie „vermessen Flächen, dokumentieren Zustände und unterstützen bei Inspektionen“ – von der Brückenprüfung bis zur Wildtierrettung (kommunal.de).
Was die landesweite Befliegung in NRW schon leistet
Geobasis NRW erhebt im hoheitlichen Auftrag der Bezirksregierung Köln landesweit topografische Bildinformationen und befliegt dabei jährlich eine Hälfte des Landes im festen Turnus – eine vollständige Aktualisierung jeder Region erfolgt damit im Schnitt alle zwei Jahre (Bezirksregierung Köln). Mit der Initiative „Perspektive Bildflug 2030″ öffnet das Land dieses Verfahren zusätzlich für Kreise und kreisfreie Städte: Wer seine eigene Luftbildbefliegung an die Landesbefliegung anschließt, erhält Aufnahmen im Landesstandard mit 10 Zentimetern Bodenauflösung im Nadir sowie ergänzende Schrägluftbilder – bei geteilten Kosten und ohne Doppelbefliegung desselben Gebiets (Bezirksregierung Köln, Perspektive Bildflug 2030). Im Pilotprojekt mit dem Kreis Coesfeld lieferte eine gemeinsame Befliegung im Frühjahr 2026 sowohl die Landesstandardprodukte als auch ein vollwertiges 3D-Mesh für die Kommune – ein Modell, das schrittweise auf weitere Kommunen ausgeweitet werden soll.
Auf dieser Datenbasis stellt die Geodateninfrastruktur NRW mit dem Digitalen Zwilling NRW (DZ NRW) inzwischen eine landesweite Grundinfrastruktur aus Geobasisdaten, Geofachdaten und Analysewerkzeugen frei im Internet bereit, inklusive 3D-Mesh und 3D-Gebäudemodell über den offenen OGC-Standard I3S.
Wo die landesweite Befliegung an ihre Grenzen kommt
Für die meisten Verwaltungs- und Netzaufgaben reicht diese Datenbasis aus – für einige typische Anlässe aber nicht:
- Turnus: Da jeweils nur eine Hälfte des Landes pro Jahr beflogen wird, liegen für eine bestimmte Region im ungünstigsten Fall bis zu zwei Jahre alte Aufnahmen vor – zu lang für akute Schadensfälle oder laufende Baumaßnahmen.
- Detailgrad: Eine Bodenauflösung von 10 Zentimetern eignet sich für Übersichtskarten und Katasteranwendungen, nicht aber für die Erkennung einzelner Schadstellen, Schachtdeckel oder Anbauteile an Gebäuden und Anlagen.
- Anlassbezug: Starkregenereignisse, Sanierungsprojekte oder Netzstörungen folgen keinem Zwei-Jahres-Turnus – sie erfordern eine Befliegung genau dann, wenn der Bedarf entsteht.
Praxisbeispiele aus NRW-Kreisen
Der Landkreistag NRW dokumentiert bereits eine Reihe konkreter Anwendungsfälle aus eigenen Kreisen, die genau diese Lücke schließen (Landkreistag NRW):
- Kreis Düren: Drohnenbefliegung zur Dokumentation von Schäden an Gebäuden, Straßen, Radwegen und Brücken nach dem Starkregen- und Hochwasserereignis im Juli 2021.
- Kreis Gütersloh: Dokumentation und raumzeitliche Visualisierung von Renaturierungsmaßnahmen an der Glenne in Langenberg.
- Kreis Lippe: Drohnenbasierte Wärmebilder zur Beurteilung der Bausubstanz öffentlicher Gebäude, der Wirksamkeit von Fassadendämmungen und von Sanierungskonzepten.
- Kreis Coesfeld: 3D-Mesh-Modelle für virtuelle Rundgänge, Messfunktionen und Schattierungen nach Sonnenstand.
- Metropole Ruhr: Die Luftbildkooperation im Geonetzwerk.metropoleRuhr zählt zu den zentralen interkommunalen Geoinformationsprojekten der Region.
Netzbetreiber: von der Einzelinspektion zur systematischen Bestandsdokumentation
Auch bei Netzbetreibern zeigt sich bundesweit ein klarer Trend zur systematischen, drohnenbasierten Bestandsdokumentation. MITNETZ STROM etwa startete bereits 2019 ein Pilotprojekt und setzt seit 2020 regelmäßig Drohnen zur Inspektion von Stromleitungen und zur Störungsaufklärung im Verteilnetz ein; inzwischen sind 65 ausgebildete Drohnenpilotinnen und -piloten mit A2-Fernpilotenzeugnis und 26 verschiedene Drohnenmodelle im Einsatz (MITNETZ STROM). Schon 2022 inspizierte das Unternehmen auf diesem Weg rund 500 Maste und 180 Kilometer Leitungen im Hoch-, Mittel- und Niederspannungsbereich (enviaM-Pressemitteilung). Die Aufgabenstellung ist auf NRW-Netzbetreiber unmittelbar übertragbar: Bestandsdaten zu Masten, Trassen und Anlagen sollen nicht nur inspiziert, sondern strukturiert und GIS-fähig dokumentiert vorliegen.
Damit die Daten ins GIS passen: Standards und Formate
Damit eine Drohnenbefliegung tatsächlich im GIS weiterverwendet werden kann, muss die Datenqualität definierten Anforderungen entsprechen. Die Normenreihe DIN 18740 „Photogrammetrische Produkte“ regelt genau das – seit der Überarbeitung 2025 ausdrücklich unabhängig von der eingesetzten Plattform und damit auch für Drohnen (UAV) anwendbar (DIN 18740-4:2025-05). In der Praxis bedeutet das: Orthofotos, Punktwolken und 3D-Meshes werden in offenen, GIS-kompatiblen Formaten geliefert – etwa über den OGC-Standard I3S, den auch der Digitale Zwilling NRW für seine 3D-Geobasisdaten nutzt – und lassen sich so direkt an bestehende Kataster- und Geoinformationssysteme anschließen.
Wie SKYLENZ Kommunen und Netzbetreiber unterstützen kann
Der Unterschied zur amtlichen Befliegung liegt im Anlassbezug: Statt auf den nächsten landesweiten Turnus zu warten, erfassen private Drohnendienstleister, wie SKYLENZ die Daten dann, wenn ein konkreter Bedarf entsteht – nach einem Starkregenereignis, während einer Sanierungsmaßnahme oder für die einmalige Ersterfassung eines Netzabschnitts. Die Ergebnisse werden in Formaten übergeben, die sich direkt in bestehende GIS- und Katastersysteme einbinden lassen.
Häufig gestellte Fragen
Was unterscheidet eine kommunale Drohnenbefliegung von der Landesbefliegung durch Geobasis NRW?
Die Landesbefliegung liefert im festen Turnus flächendeckende Standardprodukte mit rund 10 Zentimetern Bodenauflösung. Eine anlassbezogene Drohnenbefliegung ergänzt das um höhere Detailgenauigkeit, aktuelle Aufnahmen zu einem konkreten Zeitpunkt und Objekte, die im Landesstandard nicht erfasst werden.
Wie oft wird eine Region in NRW landesweit beflogen?
Geobasis NRW befliegt jährlich eine Hälfte des Landes im festen Turnus – eine vollständige Aktualisierung derselben Region erfolgt damit im Schnitt alle zwei Jahre.
Welche Vorteile bietet eine anlassbezogene Drohnenbefliegung gegenüber dem festen Turnus?
Sie liefert aktuelle Daten genau dann, wenn ein Bedarf entsteht – etwa nach einem Schadensereignis oder während einer Baumaßnahme – statt bis zum nächsten landesweiten Befliegungszyklus zu warten, und erlaubt eine deutlich höhere Detailauflösung für Einzelobjekte.
In welchem Format liefert SKYLENZ die Daten für das GIS?
Je nach Anforderung als Orthofotos, Punktwolken oder 3D-Mesh in offenen, GIS-kompatiblen Formaten, orientiert an der Normenreihe DIN 18740 und anschlussfähig an gängige Kataster- und Geoinformationssysteme.
Welche Genehmigungen braucht eine Drohnenbefliegung für Kommunen und Netzbetreiber?
Das hängt vom jeweiligen Luftraum und Einsatzort ab – etwa Nähe zu Wohnbebauung, Verkehrswegen oder kritischer Infrastruktur. SKYLENZ klärt die erforderlichen Genehmigungen im Vorfeld jedes Einsatzes; Details dazu finden sich im Beitrag „Genehmigt, versichert, zertifiziert“.
Fazit
Der Digitale Zwilling NRW und die landesweite Befliegung durch Geobasis NRW schaffen eine solide Grundlage für die kommunale und regionale Bestandserfassung. Für den konkreten Einzelfall – aktuelle Schadensbilder, Sanierungsdokumentation oder detailgenaue Netzdaten – bleibt daneben Raum für eine anlassbezogene, GIS-kompatible Drohnenbefliegung, wie sie bereits mehrere NRW-Kreise praktizieren.
Sie planen eine Bestandsaufnahme für Ihre Kommune oder Ihr Netzgebiet? Kontaktieren Sie SKYLENZ für eine unverbindliche Einschätzung.
Quellen
Bezirksregierung Köln, Geobasis NRW – Bildflug-Kooperation — https://www.bezreg-koeln.nrw.de/geobasis-nrw/produkte-und-dienste/luftbild-und-satellitenbildinformationen/bildflug-kooperation
Bezirksregierung Köln, Perspektive Bildflug 2030 – Angebot an Kreise und kreisfreie Städte — https://www.bezreg-koeln.nrw.de/newsletter/bildflug-kooperation-angebot-kreise-und-kreisfreie-staedte
Geodateninfrastruktur NRW, Digitaler Zwilling NRW online — https://www.gdi.nrw/digitaler-zwilling-nrw-online-nrw-3d
Landkreistag NRW, Kreise in NRW – Mit Geoinformationen in die digitale Zukunft — https://www.lkt-nrw.de/media/16414/broschuere-kreise-in-nrw-mit-geoinformationen-in-die-digitale-zukunft.pdf
MITNETZ STROM, Fliegende Augen haben das Stromnetz im Blick — https://www.mitnetz-strom.de/unternehmen/blog/blog/2024/08/22/fliegende-augen-haben-das-stromnetz-im-blick
enviaM/MITNETZ STROM, Pressemitteilung zum Drohneneinsatz (2023) — https://www.enviam-gruppe.de/docs/default-source/07_pressemitteilungen_downloads/pressemitteilungen_pdfs/archiv-2023/pressemitteilung_mns_2023_einsatz_drohne_230511.pdf?sfvrsn=2e8794b6_0
kommunal.de, Drohnen in Kommunen: Chancen und Aufgaben — https://kommunal.de/drohnen-einsatz-kommunen
DIN Media, DIN 18740-4:2025-05 — https://www.dinmedia.de/de/norm/din-18740-4/387217495
REDAKTION
Björn Alexander
Redaktion & Gründer SKYLENZ
Meteorologe, Fachjournalist und Drohnenpilot mit STS-Lizenz. Recherchiert, verfasst und redigiert Beiträge auf skylenz.de.

