Mit dem Herbst sinkt die Sonne, und damit schließt sich das Zeitfenster für eine aussagekräftige Wärmebildprüfung von Solaranlagen. Wie lange eine PV-Thermografie im Winter noch belastbar ist, hängt aber nicht nur vom Datum ab, sondern stark von der Dachneigung. Eine flach geneigte Gewerbedachanlage erreicht die nötige Einstrahlung deutlich kürzer als ein steiles Wohnhausdach. Dieser Beitrag präzisiert die Faustregel aus dem Spätsommer-Beitrag mit zwei Rechenmodellen für den Niederrhein und zeigt, wann eine Prüfung sinnvoll ist und wann nicht.
Warum 600 W/m² die entscheidende Schwelle sind
Defekte Zellen, Bypass-Dioden oder Steckverbindungen werden im Wärmebild nur sichtbar, wenn genug Strom durch die Module fließt. Die Norm DIN IEC/TS 62446-3 (VDE V 0126-23-3) verlangt für die Thermografie kristalliner Module deshalb eine Einstrahlung von mindestens 600 W/m² in Modulebene. Darunter schrumpfen die Temperaturunterschiede, die ein Fehler erzeugt, bis in das Messrauschen. Ein unauffälliges Wärmebild bei zu schwacher Sonne beweist dann nichts.
Fachliche Zusammenfassungen der Norm nennen weitere Bedingungen: Die Anlage muss unter Last arbeiten, die Einstrahlung wird in Modulebene gemessen, der Wind sollte 5 m/s nicht überschreiten, es darf nicht regnen und nach einem Schauer sollen mindestens 60 Minuten vergehen. Geflogen wird möglichst innerhalb von zwei Stunden um den Sonnenmittag. Im Winter kommt ein weiterer Punkt hinzu: Bei tiefem Sonnenstand werfen Gebäude, Bäume und vorgelagerte Modulreihen deutlich längere Schatten.
Zwei Modelle, eine ehrliche Spanne
Wie viel Einstrahlung an einem wolkenlosen Wintertag auf ein südlich ausgerichtetes Modul trifft, lässt sich berechnen. SKYLENZ hat dafür zwei unabhängige Ansätze für den Standort Hamminkeln (51,7° N) gegenübergestellt:
- SKYLENZ-Modellrechnung: Sonnenstand, Luftmasse und Direktstrahlung nach etablierten Formeln (Spencer, Kasten und Young, Meinel) mit eher trüber Luft, berechnet für den 5., 15. und 25. jedes Monats um 12 und 13 Uhr. Genauigkeit etwa ±10 Prozent.
- PVGIS 5.3 der EU-Kommission: Das Photovoltaic Geographical Information System der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) liefert ein mittleres Tagesprofil der Einstrahlung bei klarem Himmel pro Monat, auf Basis von Satellitendaten (SARAH-3, 2005 bis 2023) und Geländehorizont.
Beide Modelle liegen im Herbst nah beieinander, gehen im Hochwinter aber auseinander. Für ein 15°-Dach ergibt die SKYLENZ-Rechnung Mitte Oktober 575 bis 625 W/m², PVGIS im Oktobermittel rund 635 W/m². Im Dezember liegt ein 45°-Dach nach SKYLENZ-Rechnung bei 545 bis 575 W/m², nach PVGIS bei rund 685 W/m². Der Unterschied entsteht vor allem durch die Annahmen zur Klarheit der Luft. An einem realen Tag können Dunst, Schleierwolken oder Saharastaub die Werte senken, sehr klare Polarluft nach einer Kaltfront kann sie anheben. Belastbare Aussagen ergeben sich deshalb nur dort, wo beide Modelle übereinstimmen.
Bis wann und ab wann wieder: der Überblick nach Dachneigung
- Flache Dächer (10 bis 15°): Das Zeitfenster schließt sich etwa Mitte Oktober und öffnet sich frühestens Ende Februar wieder. Von November bis Januar liegen beide Modelle klar unter 600 W/m². Für flache Gewerbe- und Hallendächer ist März bis September die verlässliche Saison.
- Mittlere Neigung (20 bis 30°): Der Oktober ist gut nutzbar, November und Januar sind grenzwertig, der Dezember fällt aus. Ab Februar sind die Bedingungen an klaren Tagen wieder gegeben.
- Steile Dächer (um 45°): Bis Ende November gut machbar. Im Dezember und Januar ist eine normgerechte Messung nur an sehr klaren Tagen möglich und muss vor Ort per Einstrahlungsmessung belegt werden. Ab Februar wieder zuverlässig.
- Ost-West-Anlagen: Sie erreichen zur Mittagszeit deutlich weniger Einstrahlung als Südanlagen und fallen entsprechend früher aus dem Fenster.
Ein praktischer Hinweis zur Uhrzeit: Der wahre Sonnenmittag liegt am Niederrhein gegen 12:20 Uhr Winterzeit beziehungsweise 13:20 Uhr Sommerzeit. Solange die Sommerzeit gilt, ist 13 Uhr also deutlich günstiger als 12 Uhr.
Was im Winter trotzdem geht
Eine Drohnenbefliegung ist auch bei tiefer Sonne sinnvoll, nur eben nicht als normgerechte Thermografie. Hochauflösende RGB-Aufnahmen zeigen Sturmschäden, gebrochene Gläser, verrutschte Module, starke Verschmutzung oder Nester unter den Modulen. Wer nach einem Herbststurm Klarheit braucht, bekommt so eine Dokumentation für Versicherung oder Installateur. Die thermische Prüfung auf elektrische Fehler folgt dann im Frühjahr. Eine Thermografie ersetzt dabei grundsätzlich keine elektrotechnische Prüfung der Anlage.
PV-Anlage prüfen im Herbst: jetzt handeln oder für Februar planen
Für Betreiber am Niederrhein heißt das konkret: Wer eine steil geneigte Dachanlage hat, kann eine Drohnen-Thermografie noch bis Ende November einplanen. Für flache Dächer ist das Fenster in diesem Jahr praktisch geschlossen, hier lohnt es sich, einen Termin ab Ende Februar vorzumerken. SKYLENZ mit Sitz in Hamminkeln plant Thermografie-Flüge im Winterhalbjahr gezielt um den Sonnenmittag und an wolkenlosen Tagen. Die Einstrahlung wird vor Ort gemessen, Messwert, Messart und Uhrzeit stehen im Bericht. So ist nachvollziehbar, ob die Normbedingung eingehalten wurde. Wenn sie nicht erreicht wird, wird nicht geflogen.
Die Bilanz
Eine belastbare PV-Thermografie im Winter ist am Niederrhein keine Frage des Kalenders allein, sondern der Dachneigung. Flache Dächer pausieren von Mitte Oktober bis Ende Februar, mittlere Neigungen vor allem im Dezember, steile Dächer nur im Hochwinter und auch dann nicht ausnahmslos. Weil Rechenmodelle je nach Lufttrübung um mehr als 100 W/m² auseinanderliegen können, entscheidet am Ende die Messung vor Ort. Wer die Schwelle nicht dokumentiert, liefert ein Wärmebild ohne Aussagekraft.
Häufige Fragen zur PV-Thermografie im Winter
Kann man eine PV-Anlage im Winter mit der Wärmebildkamera prüfen?
Nur eingeschränkt. Für eine normgerechte Prüfung nach DIN IEC/TS 62446-3 braucht es mindestens 600 W/m² in Modulebene. Am Niederrhein ist das von Mitte November bis Anfang Januar bei flachen Dächern ausgeschlossen und bei mittleren Neigungen die Ausnahme. Steil geneigte Südanlagen schaffen es an sehr klaren Tagen.
Bis wann ist PV-Thermografie in diesem Herbst noch möglich?
Bei flachen Dächern etwa bis Mitte Oktober, bei 20 bis 30 Grad Neigung bis Ende Oktober oder Anfang November, bei 45 Grad bis Ende November. Voraussetzung ist ein wolkenloser Tag und ein Flug nahe dem Sonnenmittag.
Ab wann ist wieder eine belastbare Thermografie möglich?
Steile Dächer ab der zweiten Januarhälfte, mittlere Neigungen ab Februar, flache Dächer ab Ende Februar. Die verlässliche Hauptsaison für alle Neigungen liegt zwischen März und September.
Warum reicht ein Wärmebild bei schwacher Sonne nicht aus?
Bei geringer Einstrahlung fließt wenig Strom, und Fehler erzeugen kaum Wärme. Ein unauffälliges Bild bedeutet dann nicht, dass die Anlage fehlerfrei ist.
Was kann eine Drohnenbefliegung im Winter leisten?
Eine visuelle Dokumentation mit hochauflösender Kamera, etwa nach Sturmschäden oder bei Verdacht auf Glasbruch, verrutschte Module oder Verschmutzung. Die thermische Fehlersuche folgt dann im Frühjahr.
Quellen
VDE Verlag: DIN IEC/TS 62446-3 (VDE V 0126-23-3):2018-04 — https://www.vde-verlag.de/normen/0100451/din-iec-ts-62446-3-vde-v-0126-23-3-2018-04.html
TN Lab: IEC TS 62446-3 – Outdoor Infrared Thermography (Zusammenfassung der Normbedingungen) — https://tnlab.org/en/iec-ts-62446-3-photovoltaic-systems-outdoor-infrared-thermography/
Thermal Variations: IEC TS 62446-3 thermal inspections, explained — https://thermalvariations.com/learn/iec-62446-3-thermal-inspection
Europäische Kommission, JRC: PVGIS 5 – Daily radiation (Clear-Sky-Tagesprofil, Abruf 13.10.2026 für 51,73° N, 6,59° O) — https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/using-pvgis-5/pvgis-5-tools/daily-radiation_en
Europäische Kommission, JRC: PVGIS – Data sources and calculation methods — https://joint-research-centre.ec.europa.eu/photovoltaic-geographical-information-system-pvgis/general-information/data-sources-calculation-methods_en
SKYLENZ: Spätsommer ist Thermografie-Saison – der beste Zeitpunkt für die Drohnenprüfung Ihrer PV-Anlage — https://skylenz.de/aktuelles/spaetsommer-ist-thermografie-saison-der-beste-zeitpunkt-fuer-die-drohnenpruefung-ihrer-pv-anlage/
Eigene Datengrundlage: SKYLENZ-Planungshilfe „Einstrahlung bei klarem Himmel zur Mittagszeit, Hamminkeln und Niederrhein, Oktober bis Februar“, Stand 12.10.2026 (Modellrechnung, keine Messreihe).
REDAKTION
Björn Alexander
Redaktion & Gründer SKYLENZ
Meteorologe, Fachjournalist und Drohnenpilot mit STS-Lizenz. Recherchiert, verfasst und redigiert Beiträge auf skylenz.de.

